Die Geschichte unserer Gemeinde reicht bis ins Mittelalter zurück. In ihr spiegeln sich nicht nur die wechselvolle Geschichte einer jüdischen Gemeinde, sondern auch die gesellschaftlichen Verhältnisse.
Beim Blick in die Vergangenheit finden wir eine tiefe Verwurzelung unserer Gemeinde in unserem Land ebenso vor, wie in unserer jüdischen Religion, Kultur und den jüdiscen Traditionen. Wir finden zahlreiche Beispiele bewundernswerter Widerstandsfähigkeit, aber auch der Verzweiflung. Sie legt Zeugnis ab von großartigen Menschen und von den Abgründen unserer gemeinsamen Vergangenheit.
Die Geschichte unserer Gemeinde hier in Württemberg hat uns als Gesellschaft auch heute viel zu sagen für die Gestaltung unseres Hier und Jetzt: Mahnung, die Zukunft stets in Verantwortung vor G“tt und den Menschen zu gestalten; gleichzeitig auch Ermutigung und ein Quell für Kraft und Zuversicht zugleich.
2025
Eröffnung des Schwäbisch Gmünder Büros des Jüdischen Bildungswerks Württembergs (JBW)↗
Erweiterung des jüdischen Friedhofs in Stuttgart
2024 / 2025
Ergänzung des Staatsvertrags des Landes Baden-Württemberg mit den Israelitischen Religionsgemeinschaften Baden (IRG Baden) und Württembergs (IRGW) um Sicherheit als dritter Säule 8. November 2024 – 7. Heshvan 5785 und Inkrafttreten durch Austausch der Ratifikationsurkunden am 20. Januar 2025 – 20. Tewet 5785↗



2023
Anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens wird die Jüdische Grundschule Stuttgart (JGS) in Eduard-Pfeiffer-Schule (EPS)↗ umbenannt
Eröffnung des Jüdischen Bildungswerks (JBW)↗
20-jähriges Bestehen der IRGW-Zweigstelle Reutlingen und 10-jähriges Jubiläum der IRGW-Zweigstelle Aalen
Gründung des Trägervereins Domus Judaeorum e.V. für das Gebäude der mittelalterlichen Schwäbisch Gmünder Synagoge
Erstmals Jüdische Kulturtage Esslingen unter dem Titel LeChaim – Jüdisches (Er)Leben in Esslingen


2022
Ernte des ersten Jahrgangs des koscheren Weins LeChaim im Staatsweingut Weinsberg↗
70 Jahre Neue Synagoge Stuttgart
2021
2020
75. Jahrestag der Befreiung
2019
Jubiläum 200 Jahre Synagoge Esslingen
15 Jahre IRGW-Zweigstelle Heidenheim
Gemeinsamer Fachtag Antisemitismus – Jüdisches Leben zwischen Sicherheit und Unsicherheit↗ des Innenministeriums und der IRGW im IRGW-Gemeindezentrum Hospitalstraße / Stuttgart
2018
Feierliche Einbringung der neuen, durch Stuttgarter Bürger:innen gestifteten Tora-Rolle in die Große Stuttgarter Synagoge am 26. September 2018 – 17. Tischri 5779
Berufung eines Beauftragten gegen Antisemtismus↗ durch die Landesregierung von Baden-Württemberg
Jugendbildungsreise der IRGW nach Israel aus Anlass der 70-jährigen Unabhängigkeit der Republik Israel
Eröffnung des neu gestalteten, behindertengerechten Eingangsbereichs zum IRGW-Gemeindezentrum Hospitalstraße / Stuttgart und Eröffnung des Vorplatzes
2017
Feierliche Einbringung einer neuen, durch IRGW-Mitglieder gestifteten Tora-Rolle in die Ulmer Synagoge am 3. Dezember 2017 – 15. Kislew 5778
2016
Feierliche Einbringung einer neuen, durch Esslinger Bürger:innen gestifteten Tora-Rolle in die Esslinger Synagoge am 7. Juni 2016 – 1. Siwan 5776
2015
Einweihung des aus Anlass des 70. Jahrestags der Befreiung durch Veteran:innen der IRGW gestifteten Mahnmal zum ewigen Gedenken an die jüdischen Gefallenen und Opfer der Shoah 1933-1945 auf dem jüdischen Friedhof Stuttgart
Erstverleihung der Joseph-Ben-Issachar-Süßkind-Oppenheimer-Auszeichnung durch den Landtag von Baden-Württemberg und die IRGW

2014
Einweihung der erweiterten Räume der Kindertagesstätte Gan HaShalom der IRGW in Stuttgart
2013
Beteiligung am Rahmenprogramm zu den zentralen Feierlichkeiten zum Jahrestag der Deutschen Einheit in Stuttgart
2012
Feierliche Eröffnung der Ulmer Synagoge der IRGW in Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck und Ministerpräsiden Winfried Kretschmann am 2. Dezember 2012 – 18. Kislew 5773
Eröffnung des IRGW-Gemeindezentrums Im Heppächer in Esslingen am 18. März 2012 – 24. Adar 5772
2010 / 2011
Abschluss des Staatsvertrags des Landes Baden-Württemberg mit Israelitischer Religionsgemeinschaft Baden (IRG Baden) und Israelitischer Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW)
2008
Eröffnung der Jüdischen Grundschule Stuttgart (JGS) am 8. September 2008 – 8. Elul 5768, seit 2023 Eduard-Pfeiffer-Schule (EPS)
2006
Einbringung einer neuen Tora-Rolle in die Räume der IRGW-Zweigstelle Heilbronn
2005
Überführung des jüdischen Reli-Unterrichts von der Versuchs- in die Regelform
2003
Eröffnung der Räume in der IRGW-Zweigstelle Reutlingen
Eröffnung der Räume in der IRGW-Zweigstelle Hechingen
2002
Eröffnung des Betsaals der IRGW-Zweigstelle Ulm im Mai 2002
2000
Dritte Aufstockung des Verwaltungsgebäudes der IRGW
1999
Neubau des Altengerechten Wohnens der IRGW
1992
Beginn der Neuzuwanderung durch Jüdische Kontingentflüchtlinge aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion
1985
Zweite Aufstockung des Verwaltungsgebäudes der IRGW, Neubau des Kindergartens und Renovierung der Großen Stuttgarter Synagoge
1962
Erste Aufstockung des Verwaltungsgebäudes der IRGW
1952
Feierliche Eröffnung der Großen Stuttgarter Synagoge in Anwesenheit von Ministerpräsident Reinhold Maier am 13. Mai 1952 – 18. Ijar 5712
1950
Beschluss zum Wiederaufbau der Stuttgarter Synagoge; als Architekt wird Ernst Guggenheimer mit dem Neubau beauftragt
1948
Wiederanerkennung der Israelitischen Kultusvereinigung Württembergs (IKVW) als Körperschaft des öffentlichen Rechts, heute: Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW)
1946
Gründung einer Talmud Tora Schule im DP-Lager Reinsburgstraße
1945
Einrichtung von Auffanglagern für Displaced-Persons, sog. DP-Lager u.a. in der Stuttgarter Reinsburgstraße
Erster öffentlicher G“ttesdient im DP-Lager Reinsburgstraße an Schabbat BeHaalotcha am 2. Juni 1945 – 21. Siwan 5705, geleitet durch Rabbiner Herbert S. Eskin, Chaplain der U.S. Army
Einrichtung der Chaim Nachman Bialik-Volksschule im DP-Lager Reinsburgstraße
1941
Am 1. Dezember 1941 – 11. Kislew 5702 verlässt der erste Deportationszug mit knapp 1.000 Juden den Stuttgarter Nordbahnhof
Zwischen dem ersten Transport und dem letzten 1945 werden mehr als 2.500 Juden aus ganz Württemberg über den Nordbahnhof nach Theresienstadt, Riga, Izbica und nach Auschwitz deportiert
Am Ort, von wo aus die Deportationszüge den Stuttgarter Nordbahnhof verließen, erinnert heute die Gedenkstätte Zeichen der Erinnerung (ZdE)↗ an das Schicksal dieser Menschen
1939
Zusammenfassung der jüdischen Gemeinden in Württemberg zur Stuttgarter Großgemeinde
1938
Von 44 in Württemberg bestehenden Synagogen werden in den November-Pogromen zwölf gebrandschatzt und zerstört; 25 weitere werden geschändet. Sieben Synagogen bleiben weitgehend verschont. Zahlreiche jüdische Männer werden verhaftet; aus Stuttgarter werden sie in die Konzentrationslager in Welzheim und Dachau verschleppt
1935
Erlass der Nürnberger Gesetze am 15. September 1935
1933
Sog. Machtergreifung am 30. Januar 1933
1895 – 1933
Um die Jahrhundertwende leben in Stuttgart ca. 2.700 Juden. Bis 1925 wächst Ihre Zahl auf 4.548. In Württemberg schätzt man die Anzahl von Bürger:innen jüdischer Religionszugehörigkeit auf rd. 10.000
1933 werden 4.490 Juden in Stuttgart gezählt. In Württemberg existieren zu diesem Zeitpunkt 51 Israelitische Gemeinden. Neben Stuttgart sind weitere große Gemeinden u.a. in Heilbronn (ca. 900 Mitglieder) und Ulm (ca. 560 Mitglieder)
1894
Gründung Israelitischer Jungfrauenverein zur Unterstützung der Ausbildung junger, armer Mädchen
1882
Gründung der jüdischen Höheren Töchterschule in Stuttgart
1877
Feierliche Einweihung der Heilbronner Synagoge
1873
Feierliche Einweihung der Ulmer Synagoge
1871
Mit Inkrafttreten der Reichsverfassung fällt das Verbot von Mischehen
1864
„Gesetz betr. die bürgerlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen“ vom 21. Juli 1864 verleiht den in Württemberg ansässigen Juden die gleichen bürgerlichen Rechte wie Christen
1861
Feierliche Einweihung der Stuttgarter Synagoge am 3. Mai 1861 – Ijar 5621; die Grundsteinlegung erfolgte am 26. Mai 1857
1856
Erwerb des Anwesens in der Hospitalstraße in Stuttgart, auf dem sich auch heute noch das Stuttgarter Gemeindezentrum der IRGW befindet
1852
Erziehungsinstitut für Töchter wird in Stuttgart eröffnet
1837
Einweihung des Stuttgarter Betsaals in der Langgasse 16
1832
Die Israelitische Oberkirchenbehörde – Vorläuferin der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs K.d.ö.R. (IRGW) – konstituiert sich am 5. Januar 1832.
Im Laufe des Jahres werden 13 Rabbinate gebildet. Das Ministerium des Innern legt am 8. August 1832 die Anzahl der jüdischen Gemeinden in Württemberg auf 41 fest.

1828
Das Gesetz in Betreff der öffentlichen Verhältnisse der israelitischen Glaubensgenossen vom 25. April 1828 sichert in Artikel 48 Religionsfreiheit zu
1808
Offizielle Gründung der Jüdischen Gemeinde Stuttgart
1806
erneuter Zuzug von Juden nach Württemberg; in Stuttgart finden bereits seit von 1804 wieder G’’ttesdienste in jüdischen Privatwohnungen statt
1498 – 1806
sog. Ausschließung der Juden entsprechend des Testamentes von Herzog Eberhard im Bart
Mit Ausnahme sog. reichsritterlicher Dörfer (z.B. Freudental im LKR Ludwigsburg) ist die Ansiedlung von Juden im gesamten Herzogtum Württemberg verboten; weitere Ausnahmen bilden sog. Schutzjuden, die mit ihren Familien aufgrund einer besonderen Erlaubnis des Herrschers in Württemberg leben dürfen (z.B. Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer oder Chaille (Karoline) Kaulla)
1434
in der Stuttgarter Chronik werden wieder Synagoge und Mikwe („Judenbad“) in der Judengasse 12, heute: Brennerstraße, erwähnt
1348
allgemeine Judenverfolgung in den sog. Pestpogromen. Mit der Zerstörung der Synagoge und der sonstigen Einrichtungen ende die erste jüdische Gemeinde in Stuttgart
1343
erste urkundliche Erwähnung eines Stuttgarter Juden namens Leo; es gibt jedoch bereits eine „Judengasse“ und eine sog. „Judenschule“ (= Synagoge)
Links:
Arbeitsgemeinschaft Alemannia Judaica
www.alemannia-judaica.de
Findbuch des Stadtachivs Stuttgart
www.stadtarchiv-stuttgart.findbuch.net
Landeskunde entdecken online – leo-bw
www.leo-bw.de
Stadtarchiv Stuttgart
www.stuttgart.de/stadtarchiv
Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland (ZEGJ)
www.zentralarchiv-juden.de
Yad Vashem
www.yadvashem.org
Landesdenkmalamt Baden-Württemberg: Dokumentation der jüdischen Grabsteine in Baden-Württemberg
www.landesarchiv-bw.de
United States Holocaust Memorial Museum
www.ushmm.org
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
www.stiftung-denkmal.de
Literatur:
Berger, Joel (2013): Der Mann mit dem Hut. Geschichten meines Lebens. Aufgezeichnet von Heidi-Barbara Kloos. Tübingen: Klöpfer und Meyer
Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg (Hg.) (1998): Die Nacht als die Synagogen brannten. Texte und Materialien zum 9. November 1938; als Bausteine ausgearbeitet↗
Janotta, Martin / Herbasch, Josef (2022): Jüdisches Leben in Württemberg. Gestern und heute. Leinfelden-Echterdingen: Verl. Junge Gemeinde
Marx, Hannelore (November 2011): Brief an die Anwesenden beim Gedenken anlässlich des 70. Jahrestags des Beginns der Deportation der Württemberger und Stuttgarter Juden↗
Pugh, Craig (1982): Rabbi, Teach Us! Across the broad expanse of his lifetime, people have been his purpose. In: Airman Januar(1982), S. 36-40↗
Rannacher, Helmut (2011): Belogen und in den Tod geschickt. Beitrag zum Gedenken anlässlich des 70. Jahrestags des Beginns der Deportation der Württemberger und Stuttgarter Juden↗
Saur, Paul / Hosseinzadeh, Sonja (2002): Jüdisches Leben im Wandel der Zeit. 170 Jahre Israelitische Religionsgemeinschaft, 50 Jahre neue Synagoge Stuttgart. Herausgegeben von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs, Körperschaft des öffentlichen Rechts. Gerlingen: Bleicher Verl.
Traub, Barbara / Blume, Michael (2022): Wenn nicht wir, wer dann? Ein Gespräch nach 1.700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland. Leinfelden-Echterdingen: Patmos
Zelzer, Maria (1964): Weg und Schicksal der Stuttgarter Juden. Ein Gedenkbuch. Herausgegeben von der Stadt Stuttgart. Stuttgart: Ernst Klett Verl.

Israelitische Kultusvereinigung Württemberg und Hohenzollern (Hg.) (1952): Festschrift zur Einweihung der Synagoge in Stuttgart am 18. Ijar 5712 (13. Mai 1952)
mit Ansprachen von
Josef Warscher, geschäftsführender Vorstand
Ernst Guggenheimer, Architekt
Dr. Reinhold Maier, Ministerpräsident Baden-Württemberg
Leopold Goldschmidt, Zentralrat der Juden in Deutschland
Dr. Arnulf Klett, Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart
Rabbiner Dr. Chanan Lehrmann, Landesrabbiner Luxembourg



